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Medien und Werbung

 

 
 

Die Entwicklung der Schrift
. . . „Lange hat man geglaubt, dass Menschen die Schrift erfunden hätten, um die gesprochene Sprache dauerhaft zu machen“, sagt Benedikt Burkard (Soziologe). Heute scheint klar: Es waren weder die Worte der Götter noch die Mythen der Völker, die fixiert werden sollten. Die Menschen wollten Waren verwalten, Handel vereinfachen und ihr Eigentum von dem der Nachbarn unterscheiden.
In den Lehmböden des Zweistromlands im Süden des heutigen Irak lag sozusagen die Keimzelle des Formulars.
Erstmals in der Geschichte der Menschheit wurden dort in der einst mächtigen Stadt Uruk Verwaltungsakte schriftlich fixiert und die „Bürokratie zu einer frühen Blüte gebracht“, sagt der Archäologe Hans Nissen, der an vielen Ausgrabungen im einstigen Mesopotamien beteiligt war. In Uruk gruben Wissenschaftler zahlreiche, aus Lehm gefertigte Täfelchen aus, die etwa die Größe einer EC-Karte haben und von vergangenen Transaktionen berichten . . .
Der zivilisatorische Erfolg der Menschen im Zweistromland war der Geburtshelfer der Schrift. Handel und Handwerk florierten, die Städte wucherten. „Irgendwann war ein Grad an Komplexität erreicht, der schriftliche Verwaltung nötig machte“, sagt Hans Nissen. In den Speichern von Tempeln oder Fürstenpalästen stapelten sich die Güter – Getreide, Bier, Textilien. „Man lagerte und handelte mit Mengen, die sich nicht mehr nur mit dem Gedächtnis handhaben ließen“, sagt Nissen. Es musste Buch geführt und eine Systematik entworfen werden, damit die Hausherren den Überblick behielten. So zeigt ein weiteres Tontäfelchen aus dem Besitz der Staatlichen Museen zu Berlin eine Auflistung von Getreideprodukten. In verschiedenen Spalten befinden sich Zeichen für Getreidesorten, Zahlzeichen spezifizieren die Menge. Außerdem haben die beiden Parteien des Handels ihre Zeichen hinterlassen, die ersten Signaturen. . . .

(Süddeutsche Zeitung Wissen – 12/08)

(Die ältesten Tontäfelchen sind etwa 5200 Jahre alt. Es wurden einfache Zeichen verwendet, die noch nicht mit unserer heutigen Schrift vergleichbar waren. Zum Beispiel ein Kreis mit einem Kreuz darin für Schafe, die Menge wurde durch Einkerbungen gekennzeichnet, der Verwalter war zum Beispiel durch ein Rechteck erkennbar. Vor 5000 Jahren begannen die Menschen ihr Zeichensystem zu verfeinern, die Keilschrift entstand. Die schriftliche Verwaltung verbreitete sich in die Nachbarländer. Die Keilschrift war kompliziert, es war eine Ausbildungsdauer von etwa 15 Jahren notwendig. Ausgrabungen zeigen, dass manche Städte die Schriftform wieder aufgaben, wenn sie wirtschaftlich nicht mehr notwendig war weil die Stadt ihre wirtschaftliche Blüte überschritten hatte. Verwaltungsbeamte arbeiteten an der Vereinfachung der Schrift. Geschichtsschreiber und Literaten hatten kaum etwas mit der Entwicklung der Schrift zu tun.)

 
 
Die größte Inschrift der antiken Welt

. . . Kaum eine philosophische Gruppierung der Antike rief so viel Misstrauen bei ihren Zeitgenossen hervor wie die Schüler des griechischen Philosophen Epikur von Samos (341 bis 271 v.Chr.) Doch Schriftfunde aus der antiken Stadt Oinoanda im Südwesten der Türkei werfen ein neues Licht auf die verfemten Gelehrten: Die Epikureer waren demnach sozial denkende Menschen, die sich sehr wohl um die gesellschaftlichen Probleme ihrer Zeit kümmerten (mehr zu den Epikureern unter "Existenz"). Im Sommer 2009 fanden Archäologen in den Ruinen der lykischen Siedlung Bruchstücke einer Inschrift, die sie in mühevoller akribischer Arbeit wieder zusammensetzten. Was das internationale Forscherteam unter der Leitung von Martin Bachmann vom Deutschen Archäologischen Institut in Istanbul da für die Nachwelt konserviert hat, ist eine Polemik des Epikureers Diogenes, eines reichen Bürgers der Stadt (2. Jahrhundert n.Chr.) . . . Die nach ihrem Stifter benannte Inschrift war etwa 80 Meter lang und über dreieinhalb Meter hoch – die größte der antiken Welt. Diogenes ließ die Lehre Epikurs in einer Wandelhalle in Stein meißeln. „Das ist ein einzigartiges Medium in der Menschheitsgeschichte“, erklärt Jürgen Hammerstaedt. Die Inschrift, die über 25 000 Wörter lang ist, war ein kostenloses öffentliches Lehrbuch mit didaktischem Ansatz, das zugleich bildend wie kurzweilig sein sollte. Unterteilt in philosophische Lehrtexte, Fallbeispiele und Sinnsprüche kann es durchaus mit einem modernen Schulbuch mithalten. . . .
(Über 250 Bruchstücke, rund ein Fünftel der Wandinschrift, wurden bis jetzt entdeckt.)

(bdw © – 3/2010)
 
 
Die Ausbreitung des Christentums ca. 100 n.Chr

. . . . Innerhalb des (römischen) Reiches gibt es keine Grenzen. So können sich die Botschafter des Christentums auf den gut ausgebauten und gesicherten Strassen ungehindert bewegen. Das homogene römische Weltreich ist eine wesentliche Voraussetzung für die Ausbreitung des neuen Glaubens. . . . Begünstigt wird diese Entwicklung auch durch eine technische Neuerung: Die unförmige und unpraktische Schriftrolle wird durch den gebundenen Kodex ersetzt. Man benutzt nun keine lange Papierrolle mehr, sondern viele kleine Pergamentblätter. Sie werden übereinander gelegt, durch den Rand werden Bindfäden gezogen, und zum Schluss komplettieren hölzerne Deckel das fertige Buch. . . .
(2000 Jahre Christentum, Leo Strohm, 1999)
 
 


Reformation und Buchdruck (1517)

. . . Luthers Schriften gegen den Ablaß . . . verbreiteten sich schnell. Große Bedeutung kommt dabei einer technologischen Neuerung jener Zeit zu: Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks (1448) mit beweglichen Lettern. Ohne diese Technik ist die rasche Verbreitung und der dauerhafte Bestand der reformatorischen Ideen kaum zu erklären. Im Jahr des Thesenanschlags gibt es mehr als tausend Druckereien in Europa, drei davon allein in Wittenberg, und die werden in den nächsten Jahren sehr viel Arbeit bekommen. Zum ersten Mal wird die Massenwirksamkeit des neuen Mediums erkannt und genutzt. Zeitgenössischer Bericht: "Aber ehe vierzehn Tage vergingen, waren diese Thesen das ganze Deutschland und in vier Wochen schier die ganze Christenheit durchlaufen. Es glaubt kein Mensch, welch ein Gerede darüber entstand.". . .
(2000 Jahre Christentum, Leo Strohm, 1999)

. . . Die Medienexplosion war gewaltig. Gutenberg war zwar Mainzer, aber Augsburg wurde ganz schnell Medienstadt Nummer eins. Es wurde gedruckt wie kaum anderswo. Wo die Medien sich ausbreiten, gibt es Ärger. Einer der Ärger machte war Martin Luther, die erste Medienpersönlichkeit. . . .
(Augsburger Allgemeine© - 12.11.99, Sonderteil: Aufbruch ins neue Jahrtausend)

(Johannes Gutenbergs erstes gedrucktes Schriftstück wurde allerdings nicht von Martin Luther verfasst, sondern war ein Ablassbrief – das erste moderne Formular – der 1455 Gutenbergs Druckerwerkstatt verließ. Zuvor mussten sie von Mönchen stapelweise produziert werden.)

 
 


Die Zeitung

Der Schnelldruck (1814)
. . . Weltbewegende Erfindungen gingen einher mit dem gestiegenen Informationsbedürfnis - sehr zum Unbehagen der Regierenden und Mächtigen, die mit grotesken Zensurvorschriften alles beim Alten belassen wollten. So wie Gutenberg den Buchdruck möglich machte, war es wieder ein Deutscher, der sich zu Recht den Namen "König" unter den Druckern erworben hat, Ernst Friedrich Koenig aus Eisleben, der mit seiner dampfgetriebenen Druckmaschine den Weg zur mechanischen Presse bahnte. Mit seinem Partner Andreas Friedrich Bauer baut er in London die beiden ersten Druckmaschinen der Welt für die Times, sie erscheint zum ersten mal am 29. November 1814 im Schnelldruck (ca. 1200 Exemplare pro Stunde, Auflage 4000 Stück). (Johann Friedrich) Cotta (Verlagsgründer) hört davon und es dauert noch zehn Jahre, bis 1824 die Augsburger Allgemeine auf einer dampfgetriebenen Druckmaschine hergestellt wird . . .
(Augsburger Allgemeine© - 12.11.99, Sonderteil: Aufbruch ins neue Jahrtausend)

Das Papier (1841)
. . . Lumpen, die bis ins 19. Jahrhundert der Hauptbestandteil für die Papierfabrikation waren, konnten gar nicht mehr in ausreichender Menge herbeigeschafft werden um mit dem immer größer werdenden Bedarf Schritt zu halten. Doch der Griff des Webers Keller in ein Wespennest hatte 1841 die entscheidenden Folgen: Beim Bau ihrer Nester schlagen die Wespen-Arbeiterinnen die Behausung mit einem grauen Material aus: Holzfasern in einer Speichelmasse aufgelöst. Endlich konnte so viel Papier nach diesem genialen Verfahren hergestellt werden, wie benötigt wurde. . . .
(Keller stellte,
unter Zugabe von Wasser, mit einem Schleifstein Holzschliff her. Dem Holzschliff mussten weiterhin Hadern, die aus Lumpen hergestellt wurden, zugesetzt werden. Ohne Hadern würde das Papier brüchig und stark vergilben. Das Rohstoffproblem war damit aber gelöst. Erst 1854 gelang der chemische Aufschluss von Holz zu Zellstoff. Noch heute hat Zeitungspapier einen Anteil von bis zu 90 Prozent an billigem Holzschliff.)
(Augsburger Allgemeine© - 12.11.99, Sonderteil: Aufbruch ins neue Jahrtausend)

Die Telegraphie (1844)
(1844 wurde die erste Telegraphenlinie – zwischen Washington D.C. und Baltimore – eröffnet, die mit Samuel Morses Gerät betrieben wurde. Der Morseapparat und das dazugehörige Alphabet wurden schnell zum internationalen Standart.)
. . . Der Telegraph half beim Aufbau großer Konzerne und bei der Koordination landesweiter Eisenbahnnetze, er erschloss Kontinente und veränderte das Kriegswesen. Aber niemand profitierte mehr von der sekundenschnellen Übertragung einer Nachricht als diejenigen, die Nachrichten präsentierten: die Zeitungsmacher. Nur vier Jahre, nachdem Morse mit einem Bibelwort das Telegraphenzeitalter eröffnet hatte, schlossen sich sechs amerikanische Blätter zusammen, um per Ticker untereinander Meldungen auszutauschen: The Associated Press war geboren, die erste moderne Nachrichtenagentur der Welt. . . .
(GEO-Epoche - 1/99, Das Millenium)

 
 
Tim Berners-Lee erfand 1991 das „World Wide Web“

Alt.hypertext nannte sich die Diskussionsgruppe, auf der Tim Berners-Lee am 6. August 1991 im Internet eine Beschreibung seines Projekts veröffentlichte. Mit den Worten „Probiert es aus“ lud der britische Physiker die Mitglieder des Forums in sein World Wide Web“ ein. Es war kein revolutionäres Ereignis vor großem Publikum, und anfangs tauschten lediglich Computerexperten aus Forschungseinrichtungen Neuigkeiten über die digitale Nachrichtenbörse aus.
Und doch war Berners-Lees Einladung in das „WWW“ an jenem Tag vor 20 Jahren ein wichtiger Schritt bei der Entwicklung des Internets zu einem Kommunikationsmedium, das heute das Leben von Milliarden Menschen prägt. Mit seiner digitalen Nachricht warb Berners-Lee erstmals öffentlich um Mitstreiter für seine Idee, an der er seit zwei Jahren gearbeitet hatte.
Am europäischen Kernforschungszentrum Cern bei Genf suchte der britische Physiker nach Möglichkeiten, das in den 1970er Jahren von Militärs entwickelte Internet für einen größeren Kreis für die Kommunikation nutzbar zu machen. . . . Das Problem, das Berners-Lee löste, war der automatische Zugriff auf die im Internet digital gespeicherten Informationen. . . . Dieses keine Fachkenntnisse verlangende System revolutionierte das Internet und machte es zum Massenmedium. . . . Es genügte, den Link auf der ersten Seite anzuklicken, die der Browser anzeigte, und sie (Nutzer) kamen zu einer anderen, die sie vielleicht noch gar nicht kannten. Das „Surfen“ war geboren. . . .
(Für sein Projekt entwickelte er die Seitenbeschreibungssprache HTML, das Transferprotokoll HTTP, die Web-Adresse URL, den Browser und den Webserver. Weitere Information in Wikipedia)

(Augsburger Allgemeine – 5.8.2011)
 
 
Internet: Bürgerjournalismus

. . . Es war kein Helfer, kein Profifotograf und kein Kameramann, der die ersten Bilder des in den Hudson gestürzten Passagierflugzeugs veröffentlichte. Es war Janis Krums aus Florida. Er schoss das Foto mit seinem iPhone, einem internetfähigen Handy mit eingebauter Kamera. Sofort stellte er das Bild ins Netz – verbunden mit einer Kurzbotschaft: „Da liegt ein Flugzeug im Hudson. Ich bin auf der Fähre, die die Leute aufnimmt Verrückt.“
Krums nutzte den Kurznachrichtendienst Twitter, um sein spektakuläres Bild binnen Sekunden der ganzen Welt zu zeigen. Twitter ist ein „Micro-Blogging“-Dienst, bei dem man von unterwegs mit dem Handy Botschaften mit bis zu 140 Zeichen absetzen kann. Die Nachrichten erscheinen dann auf der Twitter-Internetseite. Die Nutzung ist kostenlos.
Das 2006 gegründete Twitter kam langsam in die Gänge, gewinnt aber in den letzten Wochen an Popularität. Der Dienst wurde bis vor Kurzem von der Medienszene eher skeptisch beäugt. Kritiker sprechen von einem Sammelsurium für Belanglosigkeiten. . . .

(Augsburger Allgemeine© – 17.1.09)
 
 
Geringes Medienecho nach gewaltlosem Atomprotest

. . . Ich war enttäuscht, als ich am Tag nach dem Ostermarsch vom Atomreaktor Aldermaston zum Londoner Trafalgar Square (1959 od. 1960) in den englischen Zeitungen erstaunlich wenig Echo fand. Da wurde also aus Rücksicht auf Staat und Wirtschaft von Fleet Street ein großes Ereignis fast ganz unterschlagen. Im Jahr darauf jedoch wurde in großen "headlines" auf der Titelseite der Blätter vom Atomprotest berichtet. Was war geschehen? Eine Gruppe von ein paar hundert radikalen Demonstranten hatte die Fensterscheiben der amerikanischen Botschaft am Grosvenor Square eingeschlagen. Das erregte Aufmerksamkeit, das war als berichtenswerte Sensation bewertet und publizistisch herausgestellt worden. Auch später habe ich mehrmals beobachtet, dass die Medien die Gewalt einiger weniger bei Kundgebungen mit ausführlicher Berichterstattung honorieren, während sie eine friedliche Manifestation vieler gleichgültig lässt. Ich habe einmal sogar erlebt, dass bei einer der großen Demonstrationen vor der geplanten nuklearen Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf das "Zweite Deutsche Fernsehen" mit all seinen Kameras vorzeitig abzog, weil zur Enttäuschung der Sensationsjäger "nichts passierte", wie sie meinten. . . .
(Trotzdem, Robert Jungk - Autobiografie)
 
 


Medienereignis Mondlandung

. . ."Diese tapferen Männer, Neil Armstrong und Buzz Aldrin, wissen, dass es keine Hoffnung für sie gibt." Worte einer Rede, die nie gehalten werden musste. "Aber sie wissen auch, dass in ihrem Opfer Hoffnung für die Menschheit liegt," hätte US-Präsident Richard Nixon hinzugefügt. Denn: The Show must go on. Die erste Landung von Menschen auf dem Mond, am 20. Juli vor dreißig Jahren: natürlich war sie, wenn auch nicht in erster Linie, eine Show. Eine Schau der Einigkeit und der Überlegenheit Amerikas. Nie zuvor und nie seither nahm ein technisches Abenteuer die Menschheit derart gefangen. Die USA hatten sie bitter nötig, eine solche Show. Sie steckten tief im Vietnamkrieg. In den Ghettos der großen Städte tobten Schlachten zwischen Schwarzen und der Polizei. Nationalgardisten schossen auf demonstrierende Studenten. Gewalt regierte. Und die Sowjetunion schien, seit dem ersten Sputnik und Gagarins Raumflug 1961, den Himmel zu beherrschen. . . .
(Augsburger Allgemeine© - 20.7.99)

 
 
Harry Potter aus Bücherei verbannt

. . . J.K. Rowlings „Harry Potter und der Stein der Weisen“ steht nicht mehr in der Bücherei der evang. Kirchengemeinde von Münsingen-Rietheim. Zwei Kirchengemeinderäte warnten vor der Gefahr okkulter Praktiken auf Grund der Bücherlektüre. . . .
(Augsburger Allgemeine
© - 29.11.00)
 
 


Die Kommunisten versuchten Hollywood zu unterwandern (1947)

. . . In den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg machten amerikanische Filme siebzig Prozent aller Kinoprogramme der Welt aus, und es wurde mir (Ronald Reagen) allmählich immer klarer, dass Josef Stalin sich vorgenommen hatte, Hollywood in eine Propagandamaschine für sein sowjetisches Expansionsprogramm zu verwandeln, um die ganze Welt kommunistisch zu machen. . . . Sie (FBI-Männer) vertrauten mir an , dass die (kommunistische) Partei, wie Nachforschungen des FBI zeigten, nicht nur die Kontrolle über die Arbeiterschaft in Hollywood zu gewinnen, sondern auch den Inhalt der Filme zu beeinflussen suchte, und zwar durch die Arbeit verschiedener prominenter Filmautoren und Schauspieler, die Mitglieder oder Sympathisanten der Partei waren. . . . Die Kommunisten gewannen die Kontrolle über die Vereinigungen und Institutionen durch harte Arbeit und gute Organisation: Eine Minderheit von vielleicht einem Prozent trat ein, kam früh, blieb länger als alle anderen und übernahm freiwillig die harte Arbeit für die wohlmeinenden, liberalen Mitglieder (wie mich). . . . Schließlich haben wir den Kommunisten in Hollywood Einhalt geboten, aber der Kampf hatte auch eine traurige Seite; es war nicht nur eine Geschichte der Schurken, sondern auch eine der Opfer. Ein paar Mitglieder des Ausschusses für unamerikanische Umtriebe des Repräsentantenhauses kamen mehr auf Suche nach Eigenwerbung nach Hollywood als auf der Suche nach Kommunisten. Viele anständige Menschen wurden einfach nur deshalb fälschlich als Kommunisten angeklagt, weil sie Liberale waren. . . .
(Ronald Reagen, Erinnerungen, 1990)

 
 
Ronald Reagan und die Promijäger

. . . Kaum hatten wir an jenem ersten Abend auf der Ranch den Fernseher eingeschaltet, da erblickten wir uns selbst. Die Fernsehgesellschaften hatten in fast drei Meilen Entfernung auf einem Berggipfel, der nur über eine Feuerschneise zu erreichen war, einen Platz ausgemacht, von dem aus sie ihre Kameras auf die Ranch richten und uns permanent beobachten konnten. Wir hatten das nicht sehr gerne. Wie schon einmal erwähnt, war die Ranch der einzige Ort außer Camp David, an dem wir ungestört waren - und wie ganz normale Menschen spazieren gehen konnten. In den vorangegangenen vier Jahren hatten wir gelernt, diese Ungestörtheit höher einzuschätzen als alles andere. Und nun konnte uns die ganze Welt dabei zusehen, wie wir auf der Farm herumliefen. Die Kameraobjektive waren so stark, dass sie uns sogar durch die Fenster des Hauses folgen konnten! Aber Nancy hat es ihnen gezeigt. Wenn sie merkte, dass die Kameras auf uns gerichtet waren, schwenkte sie ein Plakat, das nur drei Worte enthielt - den Slogan ihrer Anti-Drogen-Kampagne: Just say no. . . .
(Ronald Reagen, Erinnerungen - Autobiografie, 1990)
 
 
 

 

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Die erste Trikotwerbung in der Bundesliga (1973)
. . . „Eintracht (Braunschweig) brauchte Geld, und ich als Chef von Jägermeister brauchte Werbung.“ Mast (Jägermeister-Manager) legte 160 000 Mark pro Jahr auf den Tisch, später sogar 500 000 Mark. Dafür sollten die Braunschweiger statt mit dem Eintracht-Wappentier, einem Löwen, auf der Brust, mit dem Hubertus-Hirschen der Firma Jägermeister spielen (Der Hirsch wurde das neue Eintracht-Wappentier!). Aus heutiger Sicht eine klare Sache. Heute läuft kein Bundesliga-Klub mehr mit freier Brust auf – und das zu ganz anderen Tarifen. . . . „Damals aber“, erinnert sich Mast, „hatte Geld im Sport nichts zu suchen. Und dann auch noch in Verbindung mit Alkohol ...“ Es war die Zeit, in der Werbung am Körper als unanständig galt und Werbeschriftzüge in den Medien hinter Balken verschwanden. Weil der Deutsche Fußball-Bund (DFB) schon immer als wenig experimentierfreudig galt, griff der Jägermeister-Boss zu einer List. Mast: „Wir haben denen lediglich mitgeteilt, dass die Eintracht zukünftig mit einem Hirsch auf der Brust spielt.“ Löwe oder Hirsch – das war dem DFB zunächst egal. Später flog die Sache auf. Der Hirsch war mit 18 cm Durchmesser zu groß geraten. Der DFB legte sich quer. Das Gezänk zwischen Verband und Verein schlug Wellen, über die sich Mast noch heute freut. Schließlich brachte der Streit Jägermeister in aller Munde. . . . Der Hirsch siegte im Streit mit dem DFB. „Viel zu früh“, beklagt Mast noch heute die entgangene Werbewirkung. „Von mir aus hätte die Öffentlichkeit jede Woche neu über das Thema diskutieren können.“ . . .
(Augsburger Allgemeine© – 22.3.03)

 
 
Publicity-Gag für eine Rockband

. . . Er löffelte einen Becher Fruchtsalat, denn Nervosität schlägt ihm auf den Magen, und schminkte seine Augenhöhlen schwarz wie Alice Cooper. Dann setzte er eine Sonnenbrille auf und zog einen schwarzen Mantel über. Jetzt war er Cram, der Rockmusiker (Kopf der Rockband ACC, Brasilien). Sorgfältig lud er den 38er durch, den sein Vater im Schuppen versteckt hatte, verbarg ihn unter der Jacke und rief ein Taxi. Er ließ sich zur Radiostation Atlântida nach Santa Teresinha bringen, . . . Cram stieg die Treppe zum Studio hoch und öffnete die Tür. Zwei Telefonistinnen und ein Techniker blickten ihn überrascht an. Er zog den Revolver. Lasst mich mit Márcio (Radio-Moderator) allein, sagte er mit fester Stimme. Dann schloss er das Studio von innen ab. . . . Leg die CD ein, sagte er zu Márcio und hielt ihm den Revolver an den Kopf. Der hatte noch nie von „Alem do Ceu Cinzento“ (ACC) gehört. . . . „Hört mal, Leute, hier ist einer im Studio, der hat eine Waffe und zwingt mich, seine Musik zu spielen“, sagte er ins Mikro. Cram war zufrieden. „Sag den Hörern, wo sie die Platte kaufen können.“ Márcio gehorchte. Dann klingelte das Telefon. Ungläubige Hörer waren dran; Journalisten, die ein Exklusivinterview wollten, und schließlich die Polizei. Ein Spezialist für Geiselnahmen redete auf Cram ein. Aber der wollte nicht verhandeln. . . . Auf einem Sims vor dem Studiofenster gingen Scharfschützen in Stellung. . . . Als die CD nach 60 Minuten zuende war, ließ er Márcio die ersten beiden Stücke wiederholen. Wenn du dich nicht selbst stellst, stürmt die Polizei das Studio, dann sind wir beide tot, warnte der DJ. Der Musiker verspürte Mitleid. Er entlud den Revolver und drückte Márcio die Kugeln in die Hand. „Es war nicht persönlich gemeint“, entschuldigte er sich. Er öffnete die Tür und übergab die Waffe. Eine Woche blieb Cram im Gefängnis, dann boxte ein Anwalt ihn raus. Als er den Knast verließ, hatte er sich wieder wie Alice Cooper geschminkt. Dutzende Journalisten warteten, MTV wollte ihn interviewen, und Radios aus dem ganzen Land riefen an. Seine CD war ausverkauft. . . .
(Auf die Idee brachte ihn der Film „Air Heads“ ,worin eine erfolglose Rockband einen DJ kidnappt und daraufhin berühmt wird.)
(Der Spiegel© - 42/02)
 
 
Aus Nägelein wurde Carlo Colucci

. . . Dolce Vita im Altmühltal, italienisches Flair in den Ausläufern der Frankenhöhe, Carlo Colucci spricht Fränkisch. Hat im kleinen Städtchen Herrieden im Landkreis Ansbach eine neue Pizzeria aufgemacht? Nein. Hier fertigt die Familie Nägelein seit über 50 Jahren Strickwaren. Und seit diesem Jahr geht sie mit ihrem italienischen Markennamen, neu gestaltetem Schriftzug und Emblem so richtig in die Offensive. . . . Als Sohn Wilhelm Anfang der 80er Jahre in die Firma kam, begann die Geschichte von Carlo Colucci. Dem Juniorchef hatte es gedämmert, dass mit einem grundsoliden fränkischen Namen in der internationalen Modebranche kein Gefühl transportiert werden konnte. Der Italienfan Wilhelm Nägelein, so erzählt Verkaufsleiter Robert Heinz, hat italienische Telefonbücher gewälzt und rund 500 Namen in die engere Wahl genommen. Lucci gefiel ihm, doch da fehlte noch etwas. Schließlich war Carlo Colucci gefunden . . . Säulenarkaden umgeben den heuer eröffneten Showroom beim Logistic-Center. Sorgsam gepflegte Beetanlagen mit Rosen und Lavendel, Zypressen und getrimmte Buchsbäumchen in großen Tonvasen sollen südländisches Flair vermitteln. Im Showroom . . . setzt sich die Idee von Italien fort. An zwei gegenüberliegenden Wänden prangen Reproduktionen berühmter Motive des italienischen Renaissance-Malers Sandro Botticelli: die Geburt der Venus und Primavera. Dass die Hintergrundmusik italienisch ist versteht sich von selbst. . . .
(Augsburger Allgemeine
© – 24.10.02)
 
 

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Pressesprecher
. . . Wer gerne zwischen allen Stühlen sitzt, sollte Pressesprecher eines Ministeriums werden: Die Beamten im eigenen Haus begegnen einem ebenso mit Misstrauen wie die stets skeptischen Journalisten. Kaum jemand hält das lange durch. Mit Alfons Kraus (65) geht heute einer in den Ruhestand, der fast vier Jahrzehnte im Geschäft war – zuletzt zehn Jahre als Pressesprecher des (bayerischen) Landwirtschaftsministeriums.
Kraus . . . hat das Kunststück geschafft, allen ein verlässlicher Partner zu sein. Er sagt über sich: „Ich habe in all den Jahren weder die Journalisten noch den Minister belogen.“ Der frühere Landwirtschaftminister Josef Miller (CSU), dem er als strategischer Berater auch in der turbulenten BSE-Krise zur Seite stand, sagt über Kraus: „Besonders geschätzt habe ich seine aufrichtige Haltung und den geraden Weg, den er ging. Er hat sich von niemandem verbiegen lassen.“. . .

(Augsburger Allgemeine© – 29.04.09)

 
 


Sex sells! – Wahlplakat für Bundestagskandidatur

Vera Lengsfeld (Bundestagskandidatin) hat erreicht, was sie wollte. Man redet über sie. Mehr noch, mit bescheidenen Mitteln und einem Minimum an finanziellem Aufwand hat die frühere DDR-Bürgerrechtlerin und CDU-Politikerin, die ohne Aussicht auf Erfolg im links-alternativen Berliner Szenebezirk Friedrichshain-Kreuzberg für den Bundestag kandidiert, ein Maximum an Aufmerksamkeit erzielt. Müsste sie den Platz in den Zeitungen oder die Sendeminuten in den Fernsehsendern bezahlen, die ihr derzeit eingeräumt werden, wäre sie längst pleite. Doch so ist Ihr Plakat, das sie und Bundeskanzlerin Angela Merkel mit tief ausgeschnittenem Dekolleté zeigt, bundesweit im Gespräch („Wir haben mehr zu bieten.“, steht auf dem Plakat).
Plakate sollen Aufmerksamkeit erzielen. Doch an den meisten der eher lieb- und einfallslos gestalteten Druckwerke gehen die meisten Passanten der Erfahrung nach achtlos vorbei und registrieren sie kaum. Wer wirklich wahrgenommen werden will, muss mehr bieten. So wie Vera Lengsfeld, die mit ihren weiblichen Reizen kokettiert – und denen der Kanzlerin. . . .
Interview der Augsburger Allgemeinen mit Vera Lengsfeld:
Muss man heute im Wahlkampf solche Sachen machen, um überhaupt noch wahrgenommen zu werden?
Lengsfeld: Ich habe festgestellt, dass es sehr schwer ist, mit seinen Inhalten durchzudringen. Wenn man dann mal mit einem peppigen Plakat kommt, ist plötzlich alle Welt an einem interessiert. Da frage ich mich ehrlich, warum ich das nicht schon bei früheren Wahlkämpfen gemacht habe (lacht).
(„Ich habe die ganze Sache ja nur gemacht, um auf meine Inhalte aufmerksam zu machen.“, sagt sie auch.)

(Augsburger Allgemeine – 12.08.09)

 
 


Erfolgreichste Bücher

1. Bibel – Auflage 5 bis 6 Milliarden
2. Mao-Bibel (1966) – 5 bis 6 Milliarden (produzierte Menge, siehe Wikipedia!)
3. Manifest der kommunistischen Partei (Marx / Engels, 1848) – 500 Millionen
4. Chinesisches Wörterbuch (1957) – 400 Millionen
5. Gedichte des Vorsitzenden Mao (1966) – 400 Millionen
6. Ausgewählte Artikel von Mao (1966) – 253 Millionen
7. Koran (nur englischsprachige Ausgabe von 2005) – 200 Millionen
8. A Tale Of Two Cities (Charles Dickens, 1859) - 200 Millionen
9. Das Pfadfinderbuch (1908) – 150 Millionen
10. The Lord Of The Rings (J.R.R. Tolkien, 1954) – 150 Millionen
(Quelle: Wikipedia)

 
 


Politiker im Fernsehen! Zählt der optische Eindruck mehr als Argumente
?
. . . Dass der äußere Eindruck der Volksvertreter – ihr Aussehen und Auftreten – dabei (TV-Duell ectr.) eine größere Rolle spielt als ihre Argumente, gilt in der modernen Kommunikationsforschung als ausgemacht. Doch das ist schlichtweg falsch, so der Befund einer neuen Studie des renommierten Hans-Bredow-Instituts in Hamburg . . . Für seine in der neuen Ausgabe der Institutszeitschrift Medien & Kommunikationswissenschaft veröffentlichte Studie „Sagen Bilder mehr als tausend Worte?“ hat der Medienforscher Marcus Maurer in Berlin einen hochinteressanten Feldversuch unternommen: Um die Bedeutung von äußerem Eindruck (Bild) und politischem Inhalt (Ton) zu untersuchen, zeigte der Wissenschaftler 75 Probanden Szenen eines älteren TV-Duells zwischen zwei bundesweit eher wenig bekannten Politikern in drei Versionen.
Ein Drittel der Versuchspersonen bekam den Schlagabtausch zwischen dem damaligen Ministerpräsidenten Harald Ringsdorf (SPD) und Herausforderer Jürgen Seidel (CDU), den sich die beiden Politiker im Landtagswahlkampf 2006 in Mecklenburg-Vorpommern geliefert hatten, mit Bild und Ton gezeigt, ein Drittel mit Bild und ohne Ton und einem Drittel wurde nur der Ton der Sendung vorgespielt. . . .
(Die Probanden konnten während des Duells ihren spontanen Eindruck den sie von den Politikern hatten, mittels einer siebenstufigen Bewertung zum Ausdruck bringen. Anschließend mussten sie mittels eines Fragenbogens Angaben zu Sympathie, Glaubwürdigkeit und Kompetenz machen.)
Fazit: Nur in den ersten etwa 30 Sekunden eines TV-Auftritts ist der Optische Eindruck eines Politikers für das Urteil des Zuschauers entscheidend, danach aber achtet er verstärkt darauf, was der Volksvertreter tatsächlich sagt. . . . Die in den sechziger Jahren gemachte Entdeckung, dass Aussehen und Auftreten eines Politikers wichtig sind – ein von Mythen umranktes TV-Duell zwischen dem dynamisch wirkenden John F. Kennedy und seinem schlechtrasierten Widersacher Richard Nixon im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 1960 gilt als Paradebeispiel – sei in der Folgezeit „erheblich überinterpretiert“ worden, schreibt Maurer. . . .

(Augsburger Allgemeine© – 4.9.09)

 
 


Die vorzeitige Veröffentlichung der Hochrechungen am Wahltag kann den Wähler in unzulässiger Weise beeinflussen

. . . Die Veröffentlichung von Nachwahlbefragungen (Wahlprognose) vor Schließung der Wahllokale etwa über den Kurznachrichtendienst Twitter sei unzulässig sagte Egeler (Bundeswahlleiter) Dies könne „in unzulässiger Weise die freie Entscheidung der Wählerinnen und Wähler beeinflussen“. Die Wahlforschungsinstitute versprachen, alle Vorkehrungen zu treffen, damit ihre Zahlen am 27. September nicht vor 18 Uhr in die Öffentlichkeit gelangen. . . .
(Es wird ein Bußgeld von bis zu 50 000 Euro erhoben. Wenn dem Wähler etwa um 17 Uhr schon die ersten Hochrechnungen bekannt werden, kann dies z.B. dazu führen, dass einige Nichtwähler die die Wahl schon für gelaufen hielten doch noch ihre Stimme abgeben. Bei einem knappen Wahlergebnis kann dies den Wahlausgang entscheidend beeinflussen.)

(Augsburger Allgemeine – 12.9.09)

 
 


Firmentagungen in Las Vegas sind in Zeiten der Rezession nicht mehr politisch korrekt

. . . Las Vegas ist die weltgrößte Tagungsstadt. Über 22 000 Veranstaltungen fanden 2008 hier statt, von Großereignissen wie der Consumer Electronics Show mit 140 000 Besuchern bis zur Jahrestagung der Vereinigung amerikanischer Anästhesisten.
Hinzu kommen Tausende große und kleine Firmentagungen, oft eher Belohnungsreisen für verdiente Mitarbeiter, die nach einem morgendlichen Meeting den Rest des Tages zocken und trinken können. Davon lebte die Stadt, bis der neue Präsident kam und Las Vegas mit einem einzigen Satz zum landesweit gefährlichsten Pflaster für Unternehmen machte.
„Es geht nicht, dass man auf Kosten des Steuerzahlers einen Ausflug nach Las Vegas unternimmt“, hatte Barack Obama im Februar im Fernsehen gewettert. Kurz davor war bekannt geworden, dass die Bank Wells Fargo eine zwölftägige Firmenveranstaltung in der Stadt gebucht hatte – nachdem die Bank mit Staatsmilliarden vorm Bankrott gerettet worden war.
Nicht nur Wells Fargo sagte daraufhin die Veranstaltung ab. „Da wurde Las Vegas zu einem giftigen Ort gemacht, in den man nicht fahren darf“, schimpft der führende Veranstaltungsmanager Phil Cooper. Allein im ersten Vierteljahr dieses Jahres wurden über 400 Konferenzen und Messen stoniert.
„Das war nicht gut, Vegas wurde der Stempel einer Stadt der Exzesse aufgedrückt“, sagt Oscar Goodman, der als Anwalt über Jahre die berüchtigtsten Mafiosi der Stadt verteidigt hat. . . .
(Las Vegas leidet schwer unter der Rezession. Zum Beispiel wurden auch relativ luxuriöse Übernachtungsangebote auf preisgünstigen Tourismus umgestellt, um ein Publikum zu erreichen das sich dieses Segment sonst nicht leisten könnte.)

(Der Spiegel – 44/09)

 
 


Koranverbrennung im Sommerloch

Nein, er hat nicht über den Weltuntergang gepredigt. Trotzdem hat es Pastor Terry Jones geschafft, dass die ganze Welt den Atem anhält. Nämlich mit seinem Vorhaben, am Jahrestag des Terroranschlags auf das World Trade Center in New York am 11. September den Koran zu verbrennen (ca. 200 Exemplare).
(Der 58-jährige Pastor Terry Jones ist Vorsteher einer kleinen radikalen Pfingstler-Kirchengemeinde in Gainesville, einem Ort mit 100.000 Einwohnern im Norden Floridas. Sie umfasst etwa 50 Mitglieder. Der Islam ist des Teufels, sagte der Geistliche. Das politische Establishment verurteilte Jones’ Pläne ebenso einmütig wie die anderen Freikirchen von Gainesville.
Pastor Jones hatte Bereitschaft zum Einlenken signalisiert, falls ihn das Weiße Haus direkt um eine Absage der geplanten Aktion bitten würde. Im letzten September, am 8. Jahrestag der Anschläge, hatte nur die Lokalzeitung davon Notiz genommen, als Jones am Dach seiner Kirche ein hetzerisches Spruchband gegen den Islam anbringen ließ.)
. . . Der US-Präsident mahnte, die Koran-Verbrennung „könnte zu einer Zunahme der Rekrutierung von Personen führen, die bereit sind, sich als Selbstmordattentäter in amerikanischen oder europäischen Städten in die Luft zu sprengen. Die Aktion wäre ein „Rekrutierungsschlager für (die Terrororganisation) El Kaida“.
. . . Der Kommandeur der US-Truppen in Afghanistan, David Petraeus, sagte, er befürchte, dass das Ansehen der USA ähnlich stark beschädigt werden könne wie 2004 durch die Folter-Fotos aus dem US-Gefängnis Abu Ghraib im Irak.
. . . Derzeit ärgert sich besonders eine kleine, radikale Gemeinde aus dem Bundesstaat Kansas über die mediale Aufmerksamkeit Jones’. Die Westboro Baptist Church aus Topeka hatte nämlich schon 2008 auf einer Straße in Washington D.C. den Koran angezündet. . . . Der Unterschied war, dass 2008 viele Medienagenturen beschlossen hatten, die schon gewohnten rassistischen Handlungen der etwa 80-köpfigen Gruppe mit Rücksicht auf die gefallenen Soldaten aus Amerika zu ignorieren.
. . . Terry Jones hat sein Vorhaben jedoch ganz anders angepackt. Er nutzte die Medien von Beginn an geschickt. Die New York Times berichtet, dass Jones sich bewusst im Sommerloch in den Mittelpunkt stellte. Im Juli und August habe der Pastor mehr als 150 Interviews gegeben. Mehr Leute seien auf seinen Pressekonferenzen gewesen, als jemals bei seinen Zeremonien, kritisiert Robert Gibbs, Sprecher des Weißen Hauses. (Die Verbrennung hat nicht stattgefunden).
. . . Mittlerweile findet er (Jones) in den USA Nachahmer. Ein früherer Baptisten-Pastor und derzeitiger Leiter einer evangelikalen Gruppe im Bundesstaat Tennessee will am Samtstag
(ebenfalls 11. September) auf seinem Grundstück eine Ausgabe des Korans verbrennen und das Video ins Internet stellen.
(Augsburger Allgemeine© – 9. 9. – 11.9.2010)

 
 


These eines Wirtschaftshistorikers: Das fehlende Urheberrecht war für den wirtschaftlichen Aufstieg Deutschlands im 19. Jahrhundert mitverantwortlich

. . . Wegen des chronisch schwachen Buchmarkts, glaubt Höffner (Wirtschaftshistoriker), verspielte die Kolonialmacht England innerhalb eines Jahrhunderts ihren Vorsprung – während der rückständige Agrarstaat Deutschland mächtig aufholte und bis 1900 zur ebenbürtigen Industrienation aufstieg. Noch verblüffender mutet die Ursache an, die Höffner für diese Entwicklung ausgemacht hat: Ausgerechnet das Copyright, das die Briten bereits 1710 eingeführt hatten, ließ nach seiner Ansicht die Welt des Wissens im Vereinten Königreich veröden. In Deutschland hingegen scherte sich lange Zeit niemand um Autorenrechte, Preußen führte das Urheberrecht 1837 ein. Doch wegen andauernder Kleinstaaterei war das Gesetz im Reich kaum durchzusetzen.
. . . In England nutzten die Verleger ihre Monopolstellung schamlos aus. Neuheiten erschienen meist nur in einer geringen Auflage von maximal 750 Exemplaren und zu einem Preis, der häufig den Wochelohn einer ausgebildeten Arbeitskraft überstieg. Die prominentesten Verleger in London verdienten trotzdem prächtig und fuhren teils mit vergoldeten Droschken umher. Ihre Kunden waren Reiche und Adelige, die Bücher als reine Luxusgüter betrachteten. In den weinigen vorhandenen Bibliotheken wurden die kostbaren Folianten zum Schutz vor Dieben an den Bücherregalen festgekettet.
In Deutschland hingegen saßen den Verlegern Plagiatoren im Nacken, die jede Neuerscheinung ohne Furcht vor Strafe nachdrucken und billig verkaufen durften. Erfolgreiche Verlage reagierten mit Raffinesse auf die Abkupferer und ersannen eine Form der Publikation, wie sie noch heute üblich ist: Sie gaben edle Ausgaben für Wohlhabende heraus und günstige Taschenbücher für die Masse. So entstand ein ganz anderer Buchmarkt als in England: Bestseller und wissenschaftliche Werke wurden in großer Stückzahl und zu Ramschpreisen unters Volk gebracht. . . . Die Aussicht auf eine breite Leserschaft motivierte vor allem Wissenschaftler, ihre Forschungsergebnisse zu verbreiten. „Eine völlig neue Form der Wissensvermittlung setzte ein“, analysiert Höffner.
Außer der mündlichen Überlieferung durch einen Lehrmeister oder Gelehrten an der Universität kannte die damalige Zeit kaum Wege der Verbreitung von neuen Erkenntnissen. Nun kursierte im Land plötzlich eine Vielzahl anspruchsvoller Abhandlungen. . . . Am laufenden Band verfassten Gelehrte in Deutschland Traktate und Ratgeber, die sich mit Chemie, Mechanik, Maschinenbau, Optik (Medizin, Landwirtschaft) oder der Stahlproduktion beschäftigten. In Großbritannien frönte derweil ein elitärer Zirkel einem klassischen Bildungskanon, der sich eher um Belletristik, Philosophie, Theologie, Sprachen und Geschichtsschreibung drehte. Praktische Anleitungen, wie sie in Deutschland massenhaft gedruckt wurden – etwa zur Deichbaukunde oder zum Getreideanbau –, fehlten weitgehend. „In Großbritannien war man bei der Verbreitung dieser nützlichen modernen Erkenntnisse auf die mittelalterliche Methode der Hörensagens angewiesen“, sagt Höffner. . . .

(Der Spiegel© – 31/2010)

 
 


Bücher als Dekor

Das Buch gilt ja gemeinhin als Kulturgut. Man wiegt es in den Händen, streichelt es, schnuppert daran; Sinneseindrücke, die das Internet noch nicht drauf hat. Mitunter wird das Buch auch gelesen.
. . . An sich sind Jagen und Sammeln ja euphorisierende Tätigkeiten, besonders für Bibliophile. Was aber, wenn keine Zeit ist zum Sammeln und Jagen und zur Freude an diesem Trieb? Dann lässt man sammeln und jagen und kauft die Beute en bloc. Schon ist man in Trophäen-Besitz. So heuer wiederholt geschehen im Münchner Auktionshaus Hampel.
Dieses widmet sich einer Marktnische. Es versteigert historische Bibliotheken, die allein schon wegen ihrer goldgeprägten Titel auf Leder Eindruck machen. So etwas hebt das Ansehen eines jeden Besitzers, so etwas suggeriert Belesenheit, humanistisches Wissen. Dekor und Image-Bildung fallen in eins.
Jüngster Coup bei Hampel; die Versteigerung einer Teilbibliothek aus süddeutschem Adelsbesitz, 410 Bände, meist 18. Jahrhundert, rund vier Wand-Quadratmeter. Sie kostete den erfolgreichen Bieter 165.000 Euro. Mindestens acht Bibliotheken wechselten heuer bei Hampel den Besitzer, eine davon für schier unglaubliche 620.000 Euro.
. . .
(Augsburger Allgemeine – 9.10.10)

 
 


Gemeinsamkeiten von Religion und Werbung

. . . Erfolgreiche Produkte befeuern die gleichen Hirnregionen, in denen auch die religiösen Gefühle zu Hause sind. Der dänische Markenberater Martin Lindstrom hat Interviews mit Vertretern aller großen Weltreligionen geführt. Er wollte von ihnen wissen, auf welchen Säulen ihr jeweiliges Glaubensbekenntnis ruht – und identifizierte am Ende rund zehn allgemeingültige Grundpfeiler. Dazu zählen: Symbole, Geheimnisse, eine Vision, tradierte Geschichten, durchaus auch klar umrissene Gegner und Rituale, aber auch die Kultivierung einer eingeschworenen Gemeinschaft.
Es sind Punkte, „die dem Kern einer Konsummarke extrem ähnlich sind“, sagte Lindstrom. Große Marken pflegen ihre Gründermythen wie ihre Geheimnisse. Man denke nur an das Ur-Rezept von Coca-Cola oder die Hinterhoffirmen-Gründer-Legenden von Microsoft & Co. Ihre Symbole verheißen ganze Welten: die Muschel von Shell wie der Apfel von Apple oder Googles bunte Buchstaben. Der Flagship-Store von Prada in New York ist weniger Geschäft als Sakralbau, der Mode zudem wie Reliquien präsentiert. Und je stärker eine Marke, umso intensiver aktiviert sie laut Lindstrom dann im Kopf seiner Probanden auch jene Areale, die beim Anblick religiöser Bilder stimuliert wurden.
. . . Sie verkaufen nicht nur ein Produkt, sondern eine Welt, und erzählen dabei Geschichten, die nicht wahr sein müssen, nur schön.
Die US-Modefirma Hollister kolportiert gern, dass ihr 21-jähriger Firmengründer John M. Hollister einst der Spießigkeit seines US-Elternhauses entfloh, um nach einem Indonesien-Trip in Kalifornien zu landen, wo er 1922 den Vorläufer der heutigen Freizeitmodenfirma gründete. Die Geschichte ist reine Phantasie. Hollister wurde vor zehn Jahren auf dem Reißbrett amerikanischer Marketingleute entworfen.
„Jede Religion besteht aus Geschichten, sie stehen im neuen Testament, in der Thora oder im Koran. Auch um gute Marken ranken sich Gründungsmythen und Geschichten“, sagt Lindstrom.

(Der Spiegel – 50/2010)

 
 


Liedermacher Georg Danzer machte Werbung für das Café Hawelka in Wien

Welcher Wien-Fan kennt es nicht, das Café Hawelka in der Dorotheergasse nahe dem Stephansdom? . . . (Das Café Hawelka wurde 1939 eröffnet.) Weil Leopold (Hawelka) zur Wehrmacht eingezogen wurde mussten sie mit Kriegsbeginn schließen. Doch 1945 nahm das Paar die Arbeit wieder auf und schnell wurde das Café zum Künstlertreff. Die Literaten Heimito von Doderer, Hans Weigel, Friedrich Torberg, Elias Canetti und Hilde Spiel tranken dort Feigenkaffee direkt vom Schwarzmarkt. Den Malern Arik Brauer, Friedensreich Hundertwasser, Ernst Fuchs und vielen anderen kaufte Hawelka Bilder ab, die noch heute an den Wänden hängen.
. . . In den siebziger Jahren wurde es mit Helmut Qualtinger, H.C. Artmann und André Heller zum Kristallisationspunkt für die Wiener Bohème. . . . die Gäste haben sich verändert. Seit Georg Danzer in seinem Lied „jö schau“ vom „Nackerten im Hawelka“ sang (veröffentlicht 1976), versiegte der Touristenstrom in die Dorotheergasse nicht mehr. Keiner weiß, wie der Nackerte reingekommen ist und es gab ihn wohl auch nicht. Dem Danzer erteilte Josefine Hawelka, die zu Lebzeiten den Nachtdienst im Café versah, daraufhin vorübergehend Lokalverbot. Aber die Legende lebt, das Café wurde durch Danzer auch in Deutschland berühmt.

(Augsburger Allgemeine – 11.04.2011)

 
 
Der „Kate-Faktor“

. . . Wenn es in der Fashion-Branche so etwas wie den Ritterschlag gibt, dann hat Jane Corbett ihn erhalten. „Ich freue mich, dass die Herzogin von Cambridge meine Kreation trägt“, bloggte sie Weihnachten. Wie hübsch bescheiden! Die unbekannte Hutmacherin vom Lande hätte treffender vom größten Coup ihres Lebens sprechen müssen, als Kate in violettem Hut und Mantel aus Corbetts Atelier vorbei an einer Fotografenriege zur Weihnachtsmesse schritt. Seitdem sind Corbetts Designs so weltberühmt wie alle anderen Kreationen, die Kate getragen und so zum Bestseller geadelt hat. Ihr Verlobungsring? Altbacken, aber tausendfach als Billigkopie im Umlauf. Das sandfarbene Kleid, in dem sie Michelle Obama im Buckingham Palast gegenübertrat? War binnen Sekunden ausverkauft. „Unsere Website brach unter dem globalen Ansturm zusammen“, erinnert sich David Reiss, Gründer der Modekette, bei der die Herzogin das gute Stück für 200 Euro hatte kaufen lassen.
Auf eine Milliarde britische Pfund taxieren Experten den Umsatz, den „Copy-Kates“ einbringen. Hautfarbene Lackleder-Pumps, Markenzeichen der Herzogin, werden mittlerweile doppelt so häufig verkauft wie vor der Palast-Hochzeit. Selbst Strumpfhosen, ein Accessoire, in dem vor Kurzem keine Britin unter 50 Jahren hätte gesehen werden wollen, boomen. 65 Prozent mehr Lycra-Beinkleider setzt etwa das Warenhaus Debenhams um.
Dass die Garderobe der künftigen Königin sich so leicht kopieren lässt, verdanken Fans Kates Talent, teure Designerlabels mit billiger Massenware zu mischen. . . . In Stil-Blogs wie „What Kate Wore“ wird ihre Garderobe zum blitzschnellen Nachkauf bis auf den letzten Ohrring analysiert. „Wir sind ein Land von Kate-Guckern geworden“, scherzt Lisa Bond, die die Designlinien für die Modekette Peacocks auswählt. . . .

(Augsburger Allgemeine – 16.1.2012)
 
 
Personalisierte Internetsuche – Das digitale Leben ohne Zufall

. . . Google und Facebook speichern riesige Mengen von Informationen über jeden Einzelnen, oft anonymisiert zwar, aber in ihrer Zusammensetzung doch das Datenbild eines Individuums. Amazon schlägt uns Bücher vor, die wir lesen sollen, und die Vorschläge sind erstaunlich gut. Genius schlägt uns Musik vor, die zu unseren Vorlieben passt. Fourspuare nennt uns die Bars, in denen wir unsere Freunde treffen werden, und die sind tatsächlich dort. News.me empfiehlt uns, was wir lesen und anschauen sollten, und Parship präsentiert uns die Menschen, die wir künftig lieben könnten. Das alles ist sehr bequem und macht das Leben leichter. Aber es ist ein anderes Leben, als wir es kannten.
In der Auswertung riesiger Datenmengen verlängert der Computer das, was wir bislang getan, gewollt, geliebt haben, in die Zukunft. Im Internet nutzen wir diese Angebote gern, denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Was er einmal mag, mag er oft ein Leben lang. Es ist stets einfacher, etwas bekanntes zu wählen, als sich für etwas Unbekanntes zu entscheiden. Es ist auch weniger risikoreich. Je häufiger wir also Bekanntes wählen, desto öfter schlägt uns das Netz auch wieder das Bekannte vor. Menschliche Vorlieben und algorithmische Berechnungen wirken in einem sich selbst verstärkenden Prozess zusammen.
. . . Uns werden immer häufiger die zufälligen Informationen und Erfahrungen fehlen, die das Leben abwechslungsreich machen, die unseren Blick auf etwas Neues richten und uns ermöglichen, etwas dazuzulernen, anders über relevante Fragen unseres Lebens nachzudenken. Die Informationen, die etwa von Menschen gemachte Medien zu bieten haben. Aber inzwischen werden auch Medien von Algorithmen gemacht, wie die US-Firma Demand Media eindrucksvoll beweist. Und viele Medien integrieren die algorithmischen Empfehlungssysteme in ihre Angebote im Web: „Hier liest du, was die lesen, die denken, wie du selbst denkst.“
Uns wird die Überraschung verwehrt, all das, was in der englischen Sprache im schönen Wort „serendipity“ ausgedrückt ist – die Möglichkeit, durch einen glücklichen Zufall auf wertvolle Informationen, Dinge, Erfahrungen oder Menschen zu stoßen. All das hat uns das Web bislang geboten und unser Leben bereichert.
. . .
(von Miriam Meckel, Der Spiegel – 38/2011)
 
 
Dealer der Voyeure (Der Paparazzifoto-Markt)
. . . Seit kurzem hat die Hochburg der Qualitätsfotografie (Agentur Corbis) auch Triviales im Angebot . . . Corbis hat die Firma Splash News gekauft, den internationalen Marktführer für Paparazzi-Fotos. Es ist ein Ritterschlag für ein Geschäft, das unlängst noch als Schmuddelkind der Branche glalt. . . . Shenk (Chef von Corbis) schätzt, „dass zwischen 50 und 60 Prozent aller Fotos, die weltweit an die Medien verkauft werden, Fotos aus dem Unterhaltungsbereich sind“.Der größte Teil davon stamme von Paparazzi.
. . . Die Agentur (Splash News) hat weltweit etwa tausend Fotografen im Einsatz, dazu ein ausgedehntes Netz bezahlter Informanten. In Hotels und Restaurants, in Theatern, Kliniken und an den Flughäfen hat Smith (einer der Gründer von Splash News) seine „Tipster“. Allein in Los Angeles sind es etwa hundert Türsteher, Barmänner oder Fahrer. Zudem liegen Passagierlisten von Flügen bei Splash News bereit, ebenso wie Reports aus den Polizeiwachen.
. . . Im Benedict Canyon (Beverly Hills) checkt Banks (Splash Fotograf) die Lage vor David und Viktoria Beckhams 22-Millionen-Dollar-Villa. Ein paar Straßenblocks weiter geht es am ehemaligen Haus von Tom Cruise vorbei. Hier kennt Banks jeden Stein. Drei Monate vor der Geburt von Cruise-Tochter Suri richtete er sich vor dem Tor des Anwesens häuslich ein. Von fünf Uhr morgens bis elf Uhr abends harrte Banks dort mit kurzen Pausen in seinem Wagen aus.
. . . Der Lungerjournalismus lohnt sich, weil sich mit dem Internet ein riesiger neuer Markt für die Großbildjäger eröffnet hat. Zwar gehören Magazine wie „Us Weekly“ oder „People“ und Zeitungen wie der „Daily Mirror“ oder auch „Bild“ immer noch zu den Kunden. Inzwischen aber verkauft Smith vor allem an Promi-Websites wie tmz.com, eonline.com oder perezhilton.com, die jeden Einkaufsbummel der Stars kommentieren. An die 200 Fotosets mit kleinen Episoden aus dem Leben der Stars produziert Splash News pro Tag. Inklusive Archivbildern verkauft die Firma rund 10 000 Fotos täglich.
. . . Jeder der „Paps“, wie sie sich selbst nennen, protzt mit phantastischen Räuberpistolen über die Promi-Jagd. Banks etwa berichtet fasziniert von den Fahrkünsten der Schauspielerin Cameron Diaz, der es regelmäßig gelungen sei, mit ihrem Toyota Prius die PS-starken SUVs der Fotografen abzuhängen. . . . Bis zu 40 Paparazzi seien beispielsweise hinter der Sängerin Britney Spears hergejagt, als diese ihren Scheidungskrieg mit Kevin Federline austrug, berichtet Banks: „In solchen Fällen versuchen wir im Konvoi zu fahren, um die Straße nach hinten zu blockieren – damit die Öffentlichkeit nicht gefährdet wird.“

(Der Spiegel 5/2012)
 
 
Politischer Aschermittwoch in Bayern

. . . Die SPD-Verantwortlichen in Vilshofen platzen fast vor Stolz. Nachdem noch vor zwei Jahren nur gut 300 Gäste in einen Bierkeller kamen, soll der eigene Aschermittwochs-„Stammtisch“ erstmals größer sein als der der CSU. Auf Nachfrage können SPD-Mitarbeiter sofort einen Plan der CSU-Halle in Passau aus der Tasche ziehen und sitzplatzgenau nachweisen, dass selbst mit Stehpublikum am Rand nur 4000 Besucher in der Dreiländerhalle zugelassen sind. Die SPD will in ihrem Bierzelt 4600 Besucher unterbringen. „Und wenn wir beide Wahlen gewinnen, dann stellen wir nächstes Jahr ein Oktoberfestzelt auf“, sagt Bayern-SPD-Chef Florian Pronold. Großes Vergnügen bereitet den Sozialdemokraten, dass sich unter den rund 200 akkreditierten Journalisten auch ein Fernsehteam des arabischen Senders Al-Dschasira befindet. Ob das Team wirklich kommt, bleibt aber offen.
. . . (Die CSU in Passau:) Seehofer ruft mit rauer Stimme: „Bayern, des samma mir.“ Die Halle brüllt: „Jawoll.“ Und alle gemeinsam: „Prost.“ Auch der Generalsekretär muss noch ran. Dobrindt spricht kess von 7000 Zuschauern – auch wenn nur maximal 4000 zugelassen sind. . . .
. . . Die Grünen nehmen in Landshut den Papst-Rücktritt zum Vorbild. Angesichts einer solch überraschenden Personalie werden „wir es in Bayern doch auch schaffen, nach 56 Jahren die CSU endlich in die Opposition zu schicken“, sagt Spitzenkandidatin für die Landtagswahl, Margarete Brause. „Es ist an der Zeit, dass Bayern nach 56 Jahren vom schwarzen Fluch befreit wird“, findet auch der Spitzenkandidat der Bundes-Grünen, Jürgen Trittin. . . . Die FDP nennt er in einer polemischen Rede den „Blinddarm von Schwarz-Gelb“. Mit Rainer Brüderle habe die Partei ihren „inneren Schweinehund“ zum Spitzenkandidaten gemacht.
(Gar nicht schlecht! Aber im Fernsehen hat er ein bisschen steif gewirkt!)
. . . (Die Freien Wähler in Deggendorf:) „Eher geht die CSU in die Oposition, als dass sie die absolute Mehrheit bekommt“, sagt der Landes- und Bundesvorsitzende Hubert Aiwanger in Deggendorf. Der Regierungspartei will er keinen Kugelschreiber mehr in die Hand geben, um wichtige Sachen zu unterschreiben. Aiwangers Vorschlag: „Gebt ihnen in jede Hand eine Weißwurst, dann könne sie wenigstens nichts kaputt machen.“
(Da wird die Stimmung hoch gekocht sein! Er muss aber deshalb kein schlechter Politiker sein! Andererseits ist es bestimmt nicht schlecht, wenn man als Politiker zum richtigen Zeitpunkt mal einen lockeren Spruch drauf hat. Gelegentlich kann man so wahrscheinlich am Ende einer langen zähen, nächtlichen EU-Verhandlungsrunde, den einen oder anderen Regierungschef ein bisschen auflockern und manchen sogar noch auf seine Seite ziehen.)

Der Zahlen-Wettstreit zwischen CSU und SPD um die größte Aschermittwochs-Kundgebung hat ein parlamentarisches Nachspiel. Die Freien Wähler wollen von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) wissen, wie viele Gäste bei der CSU in der Passauer Dreiländerhalle zugelassen waren – und ob dies eingehalten wurde oder ob CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt am „schlichtweg gelogen hat“. . . .
(Augsburger Allgemeine – 14+15.2.2013)

 
 
Verhaltensregeln zwischen Politikern und Medien

. . . Kein Wunder , dass viele Politiker mindestens Respekt, wenn nicht gar Furcht vor den Medien haben (wegen des medialen Ausschlachtens auch fragwürdiger „Skandale“). Im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Finanzkrise erscheinen sie ohnehin wie Getriebene der Märkte. Infolge dieser Furcht stellen sich Politiker nur noch in Ausnahmefällen für Interviews mit kritischen politischen Magazinen wie „Report“ aus Mainz, „Monitor“ oder „Panorama“ zur Verfügung: weil sie keinen Einfluss auf den Rahmen haben, in den das Gespräch gebetet wird.
In einer Talkshow dagegen sind gerade medienerfahrene Politiker in der Regel Herr des Geschehens. Die Themen sind bekannt und abgesprochen, weshalb es nur selten vorkommt, dass ein Gast hier aus der Rolle fällt. Wie groß das Kontrollbedürfnis ist, zeigt der Umgang mit Interviews für Presseerzeugnisse: Die Abschrift des Gesprächs muss dem Büro des Politikers grundsätzlich zur Freigabe vorgelegt werden, ein Vorgang, der in der heutigen Medienlandschaft derart selbstverständlich ist, dass selbst die PR-Agenturen von Schauspielern bei harmlosen Interviews aufs Gegenlesen bestehen.
Die Gewissheit, eventuelle Fehltritte später noch korrigieren zu können, hat zwar zur Folge, dass die Gesprächspartner ungezwungener reden; allerdings hat der Journalist nicht viel davon, wenn die Pressesprecher später die interessantesten Antworten entschärfen.
Alte Hasen nutzen diese Gepflogenheiten gern, um gezielt und strategisch Informationen zu lancieren. Bei Begegnungen im sogenannten Hinterzimmer wird vorher festgelegt, ob Journalisten das Gehörte absolut vertraulich behandeln müssen („unter drei“) oder ob sie die Angaben zwar verwenden können, aber keine konkrete Quelle nennen dürfen („unter zwei“).
Wer sich nicht an die Abmachung hält, muss zwar keine juristischen Konsequenzen fürchten, wird aber höchstwahrscheinlich nie wieder zu einem Hintergrundgespräch eingeladen. Diese Regeln sind keine Begleiterscheinungen der „Berliner Republik“; sie galten auch schon, als die Bundeshauptstadt noch Bonn hieß.

(Augsburger Allgemeine – 22.02.2013)
 
 

 

(Copyright für Illustration, die Zusammenstellung der Zitate und den kursiven Text: Günther Geiger/2004. Weitere Erklärung zum Copyright-Vermerk© unter Zitate-Übersicht)

 
 
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